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Ist Eisbaden schlecht für Frauen?

  • Autorenbild: Steffi Li
    Steffi Li
  • vor 6 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Was die Wissenschaft wirklich zum Kältetraining für Frauen sagt


Eisbaden polarisiert. Während es von manchen als Wundermittel gefeiert wird, hält sich besonders hartnäckig ein Mythos:

Kältetraining sei für Frauen ungeeignet oder sogar schädlich.


Diese Aussage begegnet Frauen in sozialen Medien, Podcasts und selbst in gesundheitsnahen Kontexten immer wieder. Doch was sagt die wissenschaftliche Datenlage tatsächlich?


Die kurze Antwort:

👉🏻Es gibt keine Evidenz dafür, dass Eisbaden grundsätzlich schlecht für Frauen ist.

Die längere – und wichtigere – Antwort ist differenzierter.


Woher stammt der Mythos?


Frauen reagieren im Durchschnitt früher und intensiver auf Kälte als Männer. Studien zeigen unter anderem:

  • schnelleres subjektives Kälteempfinden

  • stärkere kurzfristige kardiovaskuläre Reaktionen (z. B. Puls- und Blutdruckanstieg)


Diese Unterschiede sind real – sie werden jedoch häufig fehlinterpretiert.

Eine stärkere akute Reaktion bedeutet nicht automatisch ein höheres Risiko. Sie beschreibt zunächst lediglich eine andere Thermoregulation.


Unterschiede bedeuten nicht Nachteile


Eine randomisierte kontrollierte Studie von Tsoutsoubi et al. (2022) untersuchte explizit geschlechtsspezifische Reaktionen auf Kaltwasserimmersion.

Das Ergebnis:

  • Frauen zeigten teilweise stärkere akute Stressreaktionen

  • es traten jedoch keine erhöhten gesundheitlichen Risiken auf, sofern Dauer und Temperatur angepasst waren

Entscheidend ist also nicht das Geschlecht, sondern Dosierung, Vorbereitung und Selbstregulation.


Der Einfluss des Menstruationszyklus


Hormone beeinflussen die Thermoregulation – das gilt für alle Menschen, bei Frauen jedoch zyklisch.


Eine Übersichtsarbeit von Baker et al. (2019) zeigt:

  • In der Lutealphase empfinden viele Frauen Kälte schneller

  • Die individuelle Wohlfühltemperatur liegt in dieser Phase im Schnitt etwas höher

  • In der Follikelphase wird Kälte häufig als besser tolerierbar beschrieben


Wichtig:

👉🏻Daraus ergibt sich keine medizinische Kontraindikation, sondern die Empfehlung eines zyklussensiblen Vorgehens: kürzere Dauer, mehr Atemregulation, weniger Leistungsdenken.


Nervensystem, Stress & psychische Effekte


Spannend ist, dass viele Frauen besonders deutliche Effekte auf der Ebene des Nervensystems berichten:

  • verbesserte Körperwahrnehmung

  • stärkere Stressregulation

  • Gefühl von Selbstwirksamkeit und innerer Ruhe

Diese subjektiven Berichte decken sich mit der Forschung zur autonomen Regulation durch Kälte.


Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 2025 (Cain et al.) zeigt:

  • Stressreduktion durch Kälteexposition tritt häufig zeitverzögert auf

  • signifikante Effekte zeigen sich oft etwa 12 Stunden nach der Exposition

  • viele Menschen berichten von verbesserter Schlafqualität und Wohlbefinden


Kälte wirkt damit weniger als kurzfristiger „Kick“, sondern vielmehr als Adaptationstraining für das Nervensystem.


Sicherheit entsteht durch Regulation, nicht durch Härte


Die wissenschaftliche Literatur ist sich in einem Punkt einig: Kältetraining sollte niemals über Willenskraft oder Leistungsdenken gesteuert werden.


Besonders wichtig sind:

  • kurze Expositionsdauer

  • ruhige Atemkontrolle

  • freiwilliger, selbstbestimmter Ausstieg

  • keine Vergleichsdynamiken


Unter diesen Bedingungen ist Kälteexposition für Frauen nicht gefährlicher als für Männer – im Gegenteil:

Sie kann ein wirksames Werkzeug zur Stressregulation und Körperwahrnehmung sein.


Fazit: Eisbaden ist nicht schlechter für Frauen.

Es ist lediglich anders zu dosieren und individuell anzupassen.


Oder anders gesagt:

Nicht der weibliche Körper ist das Problem –

sondern pauschale Aussagen ohne wissenschaftliche Grundlage. Und diese kommen noch dazu meist von Frauen, die noch gar keine Erfahrung mit dem Eisbaden gemacht haben.


Komm gerne in meinen nächsten Yoga & Ice Workshop, um die positive Wirkung des Eisbadens bewusst und sicher selbst zu erfahren!


Frau im Eisbad


Quellenangaben:

  • Cain, D. et al. (2025). Effects of cold-water immersion on health, stress, sleep and wellbeing: A systematic review and meta-analysis. PLoS ONE. PubMed ID: 39879231 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39879231/

  • Tsoutsoubi, L. et al. (2022). Cardiovascular stress differences between women and men during cold-water immersion. Frontiers in Physiology.

  • Baker, F., Siboza, F., & Fuller, A. (2019). Temperature regulation in women: Effects of the menstrual cycle. Journal of Thermal Biology.

  • Reed, E. et al. (2023). Cardiovascular and mood responses to cold water immersion. Journal of Thermal Biology.

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