Suche
  • Steffi Li

Warum ich aufgehört habe Alkohol zu trinken

Aktualisiert: 4. März 2019


Am 2. September 2018 habe ich mir selbst versprochen für ein Jahr keinen Alkohol zu trinken. Das ist jetzt genau sechs Monate her und ich habe seitdem tatsächlich keinen einzigen Schluck mehr getrunken. Wie es mir damit geht und was sich dadurch in meinem Leben verändert hat, erzähle ich dir in diesem Beitrag.


Warum kein Alkohol mehr?


Ich habe früher gern getrunken. Seit meinem sechzehnten Lebensjahr habe ich regelmäßig und teilweise exzessiv Alkohol getrunken. Ich habe irrsinnig viel vertragen, darauf war ich sogar ein bisschen stolz. Ich nutzte Alkohol um dazuzugehören, um selbstbewusster zu wirken oder manchmal auch, um mich zu entspannen. Vor zweieinhalb Jahren habe ich dann mit dem Yoga begonnen und auch angefangen mich bewusster zu ernähren. Dadurch bekam ich immer mehr Gefühl für meinen Körper und meine physische Gesundheit, aber auch für meine Gefühls- und Gedankenwelt. Plötzlich wurden mir die negativen Auswirkungen, die der Alkoholkonsum auf mein gesamtes System hatte, so richtig bewusst. Auch wenn ich nur wenig getrunken hatte, fühlte ich mich sogar einen Tag danach noch körperlich schlapp. Ich hatte weniger Lust auf körperliche Bewegung und dafür mehr Lust auf ungesundes Essen. Ich hatte insgesamt mehr Hunger und brauchte wesentlich mehr Schlaf. Durch die Dehydrierung bekam ich oft Kopfschmerzen. Doch das Schlimmste passierte eigentlich innerlich. Ich wurde nach ein paar Gläschen zwar zunächst ein wenig lustiger und entspannter. Doch am Tag danach verfiel ich oft in ein emotionales Tief. Es fühlte sich ein bisschen so an, als würde mir der Alkohol ein Stück meiner Lebensfreude nehmen. Meine Gedanken waren negativer. Meine Gefühle waren taub. Mein Tatendrang gleich null.


Warum nicht einfach weniger trinken?


Zunächst versuchte ich meinen Alkoholkonsum nur zu reduzieren, um den negativen Effekt auf meine Gesundheit und mein Gemüt zu minimieren. Zuerst trank ich nur noch an bestimmten Tagen der Woche. Dann reduzierte ich den Konsum auf maximal ein alkoholisches Getränk alle drei Tage. Dann versuchte ich generell nie mehr als drei alkoholische Getränke an einem Tag zu konsumieren und nur noch einmal im Monat mehr als drei Gläser Alkohol zu trinken. Ich probierte unzählige Einschränkungen aus und scheiterte im Endeffekt an jeder. Da machte ich Ausnahmen, weil irgendjemand Geburtstag hatte, es gab Ausnahmen, weil ich eine Freundin traf, die ich schon länger nicht gesehen hatte, und so weiter und so fort. Im Sommer vergangenen Jahres häuften sich die Anlässe, an denen ich Alkohol trank. Ich erwischte ein paar Mal zu viel, sodass es mir an den Tagen danach so richtig schlecht ging. Schließlich reichte es mir einfach. Entweder ganz oder gar nicht, dachte ich mir. Also entschied ich mich für mein 1-Jahres-Experiment ganz ohne Alkohol.


Wie schwer fiel es mir auf Alkohol zu verzichten?


Ich muss sagen, dass es mir überraschend leicht fiel auf etwas zu verzichten, das fast mein halbes Leben lang ein fester Bestandteil meines Alltags war. Ich hatte mittlerweile ein so negatives Bild über Alkohol entwickelt und hatte es so dermaßen satt zu trinken, dass die ersten vier Wochen wie von selbst gingen. Und danach war es sogar noch leichter, weil die erste Phase der Gewohnheit bereits durchbrochen war. In den letzten sechs Monaten hatte ich keinen einzigen Rückfall. Die Anzahl der Tage, an denen ich wirklich Lust hatte, Alkohol zu trinken, kann ich an einer Hand abzählen. Alles in allem, war es also viel leichter als gedacht. Sogar die Reaktionen der Menschen waren positiver als ich es erwartet hatte.


Wie reagieren andere Menschen darauf?


Ich hatte ehrlich gesagt mit viel mehr Gegenreaktion auf mein Experiment gerechnet als es tatsächlich der Fall war. In meinem sozialen Umfeld trinken alle zumindest gelegentlich Alkohol. Außerdem arbeite ich auf einer Skihütte als Kellnerin und da dachte ich, müsste ich mich viel öfter rechtfertigen, wenn ich wiedermal auf einen Schnaps eingeladen würde. Tatsächlich reagierten die meisten Menschen neutral auf meine Aussage keinen Alkohol zu trinken. Manche fragten zwar verwundert nach: "Was, überhaupt nicht?" Doch dann gaben sie sich meist zufrieden. Kein einziges Mal wurde ich gefragt, ob ich schwanger sei. Manche Menschen, von denen ich den größten Widerstand erwartet hatte, sagten sogar, dass sie es toll fänden und dass auch sie gerne weniger trinken würden. Die negativsten Reaktionen waren Sätze wie: "Was machst du denn für einen Blödsinn?" oder "Wo bleibt denn da der Spaß?" Ansonsten war das Verständnis für meine Abstinenz überaus groß - sogar von Menschen, die normalerweise sehr viel und gerne trinken.


Fühle ich mich ausgeschlossen oder fehl am Platz?


Es ist allerdings schon so, dass ich seit ich keinen Alkohol mehr trinke, weniger oft Abends ausgehe oder auf Parties anzutreffen bin. Ich fühle mich in Gesellschaft trinkender Menschen nach wie vor manchmal unwohl. Nicht deshalb, weil ich dadurch Lust bekomme, auch wieder zu trinken, sondern weil ich mittlerweile meine Freizeit gerne anders nutze. Mit Yoga, Meditation, Zeit in der Natur oder mit der Arbeit an meinen Projekten. Ich war zwar in den vergangenen sechs Monaten ein paar Mal aus. Ich war dabei auch lustiger, besser gelaunt und energiegeladener als zu den Zeiten, zu denen ich noch Alkohol trank. Doch ich habe auch gemerkt, dass ich das nicht mehr regelmäßig machen möchte. Ich bin insgesamt vielmehr ein Morgenmensch als jemand, der sich gerne die Nächte um die Ohren schlägt.


Was sind nun die Vorteile, wenn man keinen Alkohol mehr trinkt?


Seit ich aufgehört habe zu trinken, sind mir einige positive Veränderungen an mir aufgefallen:

  • Zum einen fühle ich mich wesentlich gesünder und energiegeladener. Mein Immunsystem ist auf jeden Fall deutlich besser geworden.

  • Ich brauche außerdem um 1-2 Stunden weniger Schlaf pro Nacht und bin trotzdem insgesamt fitter. Meine Schlafqualität hat sich verbessert.

  • Ich habe extrem viel Motivation, mich jeden Tag sportlich zu betätigen. Mein Muskelaufbau hat sich sichtlich beschleunigt. Außerdem regeneriert sich mein Körper nach dem Sport deutlich schneller.

  • Es fällt mir wesentlich leichter, mich gesund und vollwertig zu ernähren. Ich habe deutlich weniger Heißhunger oder Gelüste auf fettiges Essen.

  • Meine Haut sieht jünger aus. Ich hatte vorher einige Trockenheitsfältchen um die Augen. Vermutlich waren sie ein Resultat der regelmäßigen Dehydrierung durch den Alkohol. Mittlerweile sind die Fältchen weg. Ich habe auch das Gefühl jetzt eine strahlendere Haut zu haben. Die Hautunreinheiten, die bei mir ein durch die Antibabypille verursachtes hormonelles Problem sind, haben sich dadurch allerdings nicht verändert.

  • Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist, dass ich weniger Geld für Alkohol ausgebe und dadurch mehr Geld für andere Dinge zur Verfügung habe - fürs Reisen zum Beispiel.

  • Und der für mich entscheidendste Punkt: Ich bin viel glücklicher geworden. Woran das genau liegt, kann ich nicht sagen. Wichtig ist nur, dass es so ist :)

Mein Fazit?


Ich hätte mir nie gedacht, dass es mir so leicht fallen würde auf Alkohol zu verzichten und dass die Menschen darauf so positiv reagieren würden. Ich werde mein Experiment auf jeden Fall erfolgreich zu Ende bringen und danach entscheiden, wie ich mit dem Alkohol in meinem weiteren Leben verfahren werde. Meine Lebensqualität ist durch den Verzicht so beträchtlich gestiegen, dass ich mir ohne Weiteres vorstellen kann, mein ganzes restliches Leben ohne Alkohol zu verbringen. Mal sehen, wie die kommenden sechs Monate noch werden.

157 Ansichten

© 2020   Stefanie Lindbichler   Impressum   Datenschutzerklärung

Allgemeine Geschäftsbedingungen